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Artikel
über die Stormarn Singers im RUNDUM-Magazin, September 2007Die Stormarn-Singers treffen mitten ins HerzWohl jeder bekommt bei dem Lied „Amazing Grace" eine Gänsehaut. Vielen geht „Ob, happy day" tagelang nicht mehr aus dem Kopf, sobald die Melodie erst einmal durch das Radio und von dort direkt in die Ohren gelangt ist. Im Musikunterricht bewegten selbst die konsequentesten Sangesmuffel plötzlich ihre Lippen und brummten großherzig mit, wenn Gospellieder wie „Go down, Moses" angestimmt wurden. War der Zauber nach ein paar Strophen vorbei, hielten sie und natürlich alle anderen noch einen Moment lang verheißungsvoll inne. Kaum jemand wusste allerdings um die Bedeutungsschwere, die dem Gospel in seinen Ursprüngen zugrunde lag. Gospelgesang war seinerzeit die einzig geduldete, wenngleich auch heimliche Kommunikationsmöglichkeit der zu harter Arbeit gezwungenen Sklaven in den Südstaaten Amerikas. Um das schwere Schicksal auf den Feldern erträglicher zu machen, wurde gesungen. Noch heute gilt der Begriff „call and respond" als eines der charakteristischen Merkmale des Gospels - wer ruft, dem wird geantwortet. Diese Form des Gebetes wurde nicht unterbunden. Der Glaube an bessere Zeiten schweißte zusammen, spendete Trost und baute das Vertrauen in eine bessere Zukunft auf. Somit wurde der Gospel zunächst als religiöser Gesang kultiviert und wuchs im Laufe der Jahrhunderte zu einem internationalen Chorerlebnis heran. Sobald sich die Tür im Probenraum der Stormarn-Singers in Ahrensburg öffnet und siebzig Stimmen die Tonleiter empor klettern, verschlägt es einem selbst im ersten Augenblick die Sprache. Die Augen senken sich ehrfürchtig zu Boden und es dauert, bis sich die Gefühle sortiert haben und der Blick sich wieder auf den Chor richtet. Es ist überwältigend, mit welcher Freude die Sängerinnen und Sänger bereits in den Aufwärmübungen für Stimmung sorgen. Die Freude steht allen ins Gesicht geschrieben. Jung und Alt gemischt stehen sich in zwei Gruppen gegenüber, wachsen zusammen und verbreiten Gospel, die gute Nachricht, wie sie sich aus dem Englischen ableitet, unter musikalischer Leitung von Eggo Fuhrmann. Der Pianist und Chorleiter ist streng, keine Frage, doch verbindet er Professionalität mit einer großen Portion Humor und fordert seinen Chor auf charmante Art heraus, um am Ende das Beste aus ihm herauszuholen. Lachen und Singen - darum geht es den stimmgewaltigen „Stormis". Nach den wichtigsten Neuigkeiten, Terminabsprachen und Ankündigungen endet die Aufwärmphase. Neue Stücke müssen geprobt werden. Konzerte stehen auf dem Plan der engagierten Stimmen und am Feinschliff muss hier und dort noch gearbeitet werden. Chorleiter und Chor sind sich einig und geben alles, um ihren afroamerikanischen Vorbildern sangestechnisch in nichts nachzustehen. Fuhrmann legt größten Wert auf korrekte Betonungen, nicht nur musikalisch, sondern auch in der Aussprache der zumeist in der englischen Sprache gesungen Gospellieder. „Wir wollen doch niemandem auf die Nase binden, dass wir aus Deutschland kommen - zumindest nicht akustisch, meine Lieben!" lautet das Argument Fuhrmanns, der den nächsten USA-Besuch im Auge hat. Der Gesang rührt an. Auch innerhalb der Sängerinnen und Sänger ist Bewegung zu sehen. Entgegen der Regungslosigkeit bekannter Chöre, die zweifelsfrei ein hohes Maß an körperlicher Disziplin demonstrieren, wird beim Gospel mitgeschwungen. Ganz gleich ob Schultern, Arme und Knie - alles rührt sich, sodass es beinahe so aussieht, als würde sich der Chor zu einer einzigen großen Welle formen. Carolina Kölling (36) hat aus ihrer damaligen „Not" eine Tugend gemacht. Die gebürtige Argentinierin kommt ursprünglich aus dem Liturgie-Gesang. Mit Johann Sebastian Bach kannte sie sich aus und machte sich schon bald nach ihrem Umzug in den Kreis Stormarn auf die Suche nach geeigneten Chor-Möglichkeiten. Fündig wurde sie diesbezüglich zwar nicht, doch öffnete ihr der Gospel schließlich völlig neue Türen und somit den Eintritt in eine ihr bis dahin noch unbekannte Liederwelt. „Es ist nicht nur gesungenes Gebet. Vielmehr ist es die Stimmung und das Über-sich-selbst-hinauswachsen," schwärmt die Vorsitzende der Chorgemeinschaft. „Vor allem beim Solo fühlt es sich großartig an, wenn der gesamte Chor hinter einem steht und die Solistin oder den Solisten mitträgt!" Und was machen Menschen, die gern singen würden, es aber nicht unbedingt können und allenfalls in der Badewanne ihre Stimmqualitäten proben? Beim Gospel kommt es auf das Gehör an. Daher sind Notenkenntnisse nicht zwingend notwendig. Singen soll Freude machen! Wer improvisieren kann, Gefühl und Hörvermögen entwickeln möchte, wird schnell feststellen, dass ein Gospelchor für jede Stimme den richtigen Rahmen bietet. Daher wundert es kaum, dass fast alle Altersklassen bei den „Stormis" vertreten sind. Auch viele Paare finden sich unter den Mitgliedern. „So haben wir die Möglichkeit, noch ein bisschen mehr Freizeit gemeinsam zu verbringen und auch mal auf andere Weise zu kommunizieren ", meint die zweite Vorsitzende Petra Pröpper, die schon ihrem nunmehr 4-jährigen Sohn Gospellieder vorgesungen hat, als dieser gerade mal ein paar Wochen alt war. Gospel hat sich mittlerweile durch multikulturelle Einflüsse über den Status der reinen Kirchenmusik erhoben, obwohl die Botschaften gleich geblieben sind: Hoffnung, Glaube, Vertrauen und natürlich die Liebe. Für Ulrike Dreyer und Werner Evers hat es doppelt gefunkt: Sie haben sich nicht nur in den Gospel verliebt, sondern auch ineinander. Schöner konnte dieser Teil der Botschaft sicher nicht übersetzt werden! (as) |
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